Ein Geburtstagsbrief für Johanna

Liebe Johan­na,

Wieder ein Geburt­stag ohne Dich, Dein Vierzehn­ter. So sehr ich mich auch bemühe, dies­mal fällt es schw­er, mir vorzustellen, wie Du jet­zt ausse­hen würdest. Gross und kräftig vielle­icht, ein wenig schlak­sig, weil Du — im Gegen­satz zu den anderen Frauen in dieser Fam­i­lie — die magis­che Marke von 1,60 m über­schrit­ten hast, und mit lan­gen rot­blonden Haaren natür­lich, die sich noch immer nur schw­er bändi­gen lassen. Würdest Du laufen oder im Roll­stuhl sitzen? Selb­st wenn der Som­mer vor 5 Jahren anders ver­laufen wäre und Du bei uns geblieben wärst, Deine Erkrankung hätte Dich begleit­et. Unser Onkologe erzählte uns damals — bevor alles aus dem Rud­er lief — von einem neuen Medika­ment in der Test­phase, das die Wach­s­tumssig­nale des Tumors vielle­icht block­ieren kön­nte. Damit hättest Du vielle­icht leben kön­nen. Ein Geburt­stags­brief für Johan­na weit­er­lesen

Die Geschichte von einem Ball, einem Pinguin und einem kleinen Kater

Dieser Som­mer ist anders — anders, weil mich Geschicht­en von Johan­na erre­ichen, ohne dass ich danach gefragt habe. Es begin­nt mit Grüßen aus dem All­gäu. Unsere Fre­unde aus Jena sind mit ihren bei­den Mäd­chen ger­ade im Kinder­hos­piz St. Niko­laus. Mit ihnen hat­ten wir fünf Jahre zuvor genau dort gemein­sam Urlaub gemacht, das erste und lei­der einzige Mal. Natür­lich schick­en sie mir ein Foto unser­er Find­us-Fahne aus dem Erin­nerungs­garten. Ich bin erstaunt, wie gut man den Kater noch erken­nen kann. Die Sonne und Johanna´s Dat­en sind inzwis­chen verblasst. Doch schlimm finde ich das nicht, eher angemessen. Ganz automa­tisch erin­nere ich mich daran, wie ich nahezu fieber­haft diese Fahne genäht habe. Vom Entwurf bis zur Fer­tig­stel­lung vergin­gen nur 3 Tage. Natür­lich musste es der Kater Find­us sein, denn Johan­na liebte die Geschicht­en von Find­us und dem alten Pet­ter­son. Die fer­tige Fahne wurde dann an die Pin­nwand gehängt als Sym­bol dafür, dass ihr Besitzer ger­ade im Haus zu Gast ist. Nach unser­er Abfahrt ist sie sich­er neben die vie­len anderen Fah­nen unter die Decke gehangen wor­den. Ich fand das damals beein­druck­end und schön, weil sich die Fah­nen wie eine Girlande durchs Haus zogen. Es sah so bunt und fröh­lich aus. Die Geschichte von einem Ball, einem Pin­guin und einem kleinen Kater weit­er­lesen

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man

Der Tag kommt näher, an dem sie uns ver­lassen hat. Unfass­bar, wie die Jahre so vorüberziehen. Ich wollte damals die Welt anhal­ten, wenig­stens für einen Moment sollte sie still­ste­hen, als ihr Herz aufhörte zu schla­gen. Es kon­nte doch nicht sein, dass das Leben weit­erge­ht ohne sie. Aber die Jahre sind ver­gan­gen, ein­fach so.

Die Zeit heilt alle Wun­den, sagt man weit­er­lesen

Erinnerungen an das Geburtstagskind und die Torte, die es nie gab

Geburt­stage sind immer beson­ders, ger­ade beim eige­nen Kind. Man schwel­gt in Erin­nerun­gen und freut sich auf die Zukun­ft, das näch­ste Jahr, den näch­sten Schritt. Doch wo keine Zukun­ft mehr ist, bleibt die Erin­nerung, so hell und klar, als wäre es gestern gewe­sen. Der Tag ihrer Geburt, ein Son­ntag und sie hat­te es furcht­bar eilig, auf diese Welt zu kom­men, als wüßte sie, dass ihr nur eine kurze Zeit bleibt. Sie war ein Ster­nen­guck­er. Das sind ganz beson­dere Men­schen, sagte uns damals die Hebamme. Sie sollte recht behal­ten.

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