Und morgen sind es drei Jahre

Es ist Sommer - drei Jahre ist es nun her, seit Du weg bist. Wir sind gerade aus dem Urlaub zurück. Wir waren zu dritt in Frankreich, obwohl so ganz stimmt das nicht - ein kleines Foto von Dir hat seinen festen Platz im Wohnmobil meiner Eltern. So hast Du sie schon auf ihren Reisen begleitet und nun bist Du auch mit uns nach Frankreich gefahren mit dem Wohnmobil. Camping fandest Du immer toll. Wenn wir meine Eltern - Deine Großeltern besucht haben, wolltest Du immer in den Wohnwagen. "Ich will hier nur mal drin sitzen", hast Du gesagt und dann hast Du ganz still dagesessen und Dich umgeschaut und warst glücklich.

Unsere kleine Tour de france hätte Dir auch gefallen, da bin ich mir sicher. Wir haben so viel gesehen und es gab so viele Momente, in denen ich gedacht habe, das hätte Dir auch Spass gemacht. Mont St. Michel z. B., diese mittelalterliche Festung, wo Hexen und Zauberer, Könige und Prinzessinnen fast Wirklichkeit sind. Du hättest deiner Phantasie freien Lauf gelassen, jeden Winkel erforscht, auch wenn der Weg in den engen Gassen und die vielen Treppen schwierig gewesen wären - für Dich. Der stürmische Atlantik hätte Dir keine Angst gemacht, denn schließlich bist du schon mal auf einem Piratenschiff mitgefahren, damals auf Sylt. Am Mittelmeer war das Meer ruhig genug und so warm. Du wärst bestimmt ins Wasser gegangen und hättest mit Mascha zusammen fleißig Muscheln gesammelt. Es gab so viele schöne dort. In einer besonders klaren Nacht in Frankreich haben wir den Sternenhimmel bestaunt. Der grosse Wagen war ganz deutlich zu sehen und die Sterne strahlten so hell. Mascha hat gleich den hellsten Stern ausgesucht und gesagt, es wäre Deiner. Plötzlich war es ganz leicht, Dir nah zu sein. Aber wir sind Dir noch näher gekommen, denn wir waren nochmal im Allgäu, im Kinderhospiz St. Nikolaus, an dem Ort, der uns so viele schöne Erlebnisse mit Dir geschenkt hat. Wir haben Deine Fahne besucht. Sie hängt im Garten neben vielen anderen Fahnen und der Kater Findus sieht noch aus, als hätte er sein Fell gerade frisch geputzt. Als wir im Garten waren, kamen viele Erinnerungen zurück an Dich, an die Zeit mit Dir, an Dein Lachen im Trampolinzimmer, wie Du durch den Garten tobst, mit dem Therapierad fährst. Sogar die bunte Kuh steht noch dort, diesmal aber ohne Pflaster und Schläuche. Es war so schön und traurig, dort zu sitzen und sich zu erinnern. Jetzt bin ich wieder hier und denke an Dich - das tue ich eigentlich immer. Aber neben der Traurigkeit, die immer da ist, bleibt die Gewissheit, dass ich, dass wir so vieles mit Dir erlebt haben und dass selbst der Tod Dich uns nicht entreißen konnte. Du bist bei uns, bei jedem Schritt, den wir gehen - für immer, unsere Johanna.